MDF-Platten Welche Vorteile hat man bei der Verwendung?

MDF Platten und Kantenumleimer
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MDF-Platten: Eigenschaften und Vorteile

MDF-Platten sind mitteldichte Faserplatten. Es gibt sie in Europa seit den späten 1980er-Jahren. Sie werden ähnlich wie Spanplatten hergestellt und eingesetzt, bieten jedoch gegenüber diesen einige Vorteile. Vor allem spanen sie nicht, die Verletzungsgefahr ist also geringer.

MDF-Platten: Herstellung

Für die Herstellung kommt fein zerfasertes Nadelholz zum Einsatz, das fast ausschließlich aus Holzabfällen stammt. Die feinen Fasern werden so verpresst, dass ein in jede Richtung homogener Holzwerkstoff mit glatten, festen Kanten entsteht. Diese lassen sich sehr einfach profilieren. MDF-Platten sind ~2 – 60 mm dick und 600 – 1.000 kg/m³ dicht. Ihre Quell- und Schwindeigenschaften fallen in jede Richtung gleich aus. Die Festigkeit liegt unter der von Vollholz.

Verwendung von MDF-Platten

MDF-Rohplatten werden im Innenausbau und im Dachausbau eingesetzt. In beschichteter Form (Lesetipp: Furnier) sind sie Trägerplatten für Laminatfußböden, dienen als Möbel- und Küchenfronten, kommen im Ladenbau zum Einsatz und sind die Hülle von Lautsprecherboxen. Es gibt ganze Möbelserien aus MDF-Platten. Vor allem im Bereich der Kindermöbel gelten sie als sehr vorteilhaft nicht nur aus Kostengründen, sondern auch wegen der Sicherheit: Splitter sind praktisch kein Thema. Aus ihnen entstehen Schränke, Schranksysteme sowie Tisch- und Abdeckplatten, wobei sie pulverbeschichtet werden. Auch für Profilverzierungen etwa an Küchenfronten sind sie sehr gut geeignet. Zu den Vorteilen gehören dabei die hohen Biege- und Zugfestigkeiten. Zudem lassen sie sich sehr gut mit Lacken und Farben designen. Es entstehen glatte, saubere Flächen mit profilierten Ausfräsungen und Kanten. Auch bei der Renovierung können sie als Vorsatzschale oder Säulenverkleidung verwendet werden, da MDF-Platten perfekt streichfähig sind.

Vorteile der MDF-Platten im Überblick

  • Qualität, Stabilität und Langlebigkeit ähnlich wie bei natürlichem Holz
  • extrem Flexibilität, daher für jede Formgebung geeignet
  • kostengünstig
  • ressourcenschonend, da Produktion aus Holzabfällen
  • beliebig zu bearbeiten und zu designen (Farben, Lacke, Pulverbeschichtung)
  • sicher, da nicht spanend

Genauer Aufbau der MDF-Platten

Aus dem genauen Aufbau der MDF-Platten erschließen sich deren Vorteile. Es gibt MDF-Platten in verschiedenen Güteklassen. Als Beispiel wären die mitteldichten Holzfaserplatten der Güteklasse E1 zu nennen. Diese bestehen aus

  • mindestens 80 % Holz,
  • ~10 % Leim,
  • 2 % Zusatzstoffen und
  • ~8 % Wasser.

Das Holz, das meistens schon als stückiger oder gar kleinspaniger Abfall in die Produktion gelangt, wird in einem komplexen Verfahren zerfasert, verleimt und durch weitere Zusatzstoffe haltbar gemacht. E1 ist eine sehr hohe Güteklasse, es gibt freilich auch minderwertigere MDF-Platten. Diese stammen aus Fernost und sind gesundheitsschädlich. Ihr Holzanteil ist geringer, dafür kommen nur schwer identifizierbare Abfälle hinein. Das beeinträchtigt auch die Konsistenz der Platten: Im Gegensatz zu MDF-Platten aus deutscher und westeuropäischer Produktion splittern sie beispielsweise beim Verschrauben, was bei einer hochwertigen deutschen MDF-Platte nicht passiert. Diese verzieht sich auch nicht bei Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsschwankungen. Sie dehnt sich unter solchen Einflüssen zwar geringfügig aus, aber absolut gleichmäßig in alle Richtungen (siehe oben). Dadurch bildet sie keine Risse aus. Die minderwertigen chinesischen MDF-Platten sind hingegen meistens voller Risse.

MDF: Normung

MDF-Platten sind in der EU nach EN 622-1 (2003) und EN 622-5 (2010) genormt. Man unterscheidet Leicht- und Ultraleicht-MDF. In früheren Normen wurden noch exakte Grenzen für die Dichte angegeben, doch diese strenge Unterscheidung zwischen den Varianten gibt es nicht mehr.

Verwendete Inhaltsstoffe

In MDF-Platten sind verschiedene Holzarten enthalten. Unter anderem sind zu nennen:

  • Kiefer
  • Fichte
  • Buche
  • Birke
  • Akazie
  • Eucalyptus
  • Pappel

Teakholz oder Nussholz werden selten verwendet. Die Klebstoffe sind Harnstoff-Formaldehyd-Harze(UF = Urea-Formaldehyde UF). Als Verstärkung dienen Melamin oder Phenol. In seltenen Fällen kommt PMDI zum Einsatz (Polymeres Diphenylmethandiisocyanat bzw. Isocyanate). Zusatzstoffe sind Paraffin für bessere Quelleigenschaften, Harnstoff für die Reduktion der Formaldehydemissionen, Ammoniumsulfat oder -nitrat als Härter für die Abbindung des Leims und Farben zur Kennzeichnung der Quell- oder Brandschutzvergütung. Auch aus dekorativen Gründen werden MDF-Platten schon während der Produktion durchgefärbt. Für bestimmte Anwendungszwecke können die Platten Fungizide oder Insektizide enthalten, um sie vor Pilzen und Insekten zu schützen.

Brandsicherheit

Konstruktiv bedingt sind MDF-Platten mit entsprechenden Zusatzstoffen relativ brandsicher und können zur deutschen Baustoffklasse B1 entsprechend der DIN 4102 Teil 4 gehören. Das bedeutet, dass sie schwer entflammbar sind.

MDF: Reaktion auf Wasser

Wie alle Holzwerkstoffplatten sind auch die MDF-Platten hygroskopisch. Das bedeutet, dass sie bei Feuchtigkeit aufquellen. Jedoch geschieht das gleichmäßig in jede Richtung.

Fazit

MDF ist ein bautechnisch bestens verwendbares, kostengünstiges, nicht splitterndes und in den meisten Fällen brandsicheres Material. Das erklärt seine hohen Einsatzmöglichkeiten.

 

 

Über Kai 28 Artikel
Der "Heimwerker" Kai W. ist auf diesem Projekt der verantwortlicher Redakteur. Mit vielen Jahren Erfahrung in mehreren handwerklichen Bereichen (Feinmechanik, Metallverarbeitung/Fensterbau, Möbel- und Küchenmontage, sowie hausmeisterliche Tätigkeiten) kennt er sich bestens mit verschiedenen Gerätschaften und Arbeitstechniken aus. Bereits seit 2015 betreibt er diverse Projekte zu den Themen Schädlinge, Wohnen & Bauen, Immobilien, Heimwerken und Garten