Eigeninitiative Bettenbau: das Pro und Contra

Holz wird mit einer Kreissäge geschnitten
Wer keine Kreissäge hat, muss sich die Bretter im Baumarkt zuschneiden lassen | Foto: mavoimages / depositphotos.com

Ein selbst gebautes Bett bietet gegenüber Fertigmöbeln aus dem Möbelhaus einen enormen Vorteil: Der eigenen Gestaltungsfreiheit sind keinerlei Grenzen gesetzt. Anstatt überlegen zu müssen, ob das Bett auch ins Schlafzimmer passt, wird das Bett ganz einfach im do-it-yourself Verfahren passend gemacht. Nach den eigenen Bedürfnissen zu bauen ermöglicht eine einzigartige Schlafzimmereinrichtung. Aber sind diese Vorteile ihren Aufwand tatsächlich wert?

Geld vs. Zeit

Objektiv betrachtet ist die Summe, die für ein Bett vom Möbelbauer oder in Einrichtungsgeschäften bezahlt wird, gründlich kalkuliert. Sie beinhaltet das Rohmaterial, die Arbeitsstunden einzelner Mitarbeiter, logistischen Aufwand und je nach Unternehmen noch weitere Elemente. Der Wille, das eigene Bett einfach selbst zu bauen und dadurch Geld zu sparen, sorgt zunächst für einen ordentlichen Schub Motivation; bis man feststellt, dass nun jedes einzelne Teil separat beschafft werden muss.
Kaum jemand verfügt über all die benötigten Ressourcen, die obendrein je nach Gestaltung des Bettes individuell sind. Während man vielleicht eine Werkstatt besitzt (Lesetipp: Werkstatthelfer), wo Einzelteile zusammengebaut werden, ist die Holzbeschaffung im eigenen, normal dimensionierten Garten nicht mehr möglich. Andere haben vielleicht die Möglichkeit, das Holz vorzubereiten, jedoch fehlt das Zubehör für den Zusammenbau.
Selbst beim Eigenbau eines Bettes ist es also sehr schwierig, ganz ohne Geld auszukommen. Die einzigen Alternativen: Man kennt jemanden, der jemanden kennt – oder betreibt Tauschwirtschaft. Oft gestaltet sich die Suche nach den Bestandteilen oder nach geeigneten Räumlichkeiten bereits als großer Aufwand (verschiedene Anlaufstellen, Lieferverzögerung von einzelnen Teilen), weshalb im Nachhinein doch noch der Griff nach einem Bettenbausatz folgt.

Material und Equipment: kompatibel muss es sein

Abhängig davon, wie viel Zeit in den Bau des Bettes investiert werden und wie es schlussendlich aussehen soll, müssen die einzelnen Komponenten zusammengesucht werden – und auch zusammenpassen. Ein massives Holzgestell kann entweder aus einem Rahmen mit vier Beinen bestehen, oder aber auch aus dicken, naturbelassenen Baumstämmen. Die einzelnen Bestandteile, Leisten oder Stämme müssen wiederum miteinander verbunden werden, wobei ein wenig Holzleim definitiv nicht ausreicht. Hinzu kommt, dass die Verbindungselemente mit dem gewählten Holz (lackiert oder naturbelassen, weiche oder harte Holzarten) kompatibel sein müssen. Unser Lesetipp: MDF Platten.

Das bloße Hineindrehen einer Schraube kann zum Splittern des Holzes führen. Selbstgeschnittene Gewinde oder eine Kontermutter können hier helfen. Liegt ein Baumstamm nicht nah genug am benachbarten Stamm, können zu lange Schrauben auch für ein Herausspbreiterengen sorgen. Handwerkliches Geschick auf fortgeschrittenem Hobbyniveau ist für den Eigenbau eines klassischen Bettes also unverzichtbar. Für ein besonderes Bett, wie z.B. einem breiten Boxspringbett für Zwei oder einem Himmelbett hingegen wird man kaum ohne die passende Bauanleitung zurechtkommen.
Welches Zubehör notwendig ist, hängt weitgehend vom gewählten Arbeitsmaterial ab. Schon vor dem Einkauf sollte also feststehen, woraus das Bett gefertigt wird. Ansonsten mündet das Projekt in einem beinahe täglichen Einkauf verschiedener Einzelteile. Soll ein Bettrahmen eher aus Metall- oder Stahlstangen bestehen, scheint dieses im ersten Moment einfacher umsetzbar zu sein als Holz. Aber auch Metallstangen müssen halten; und das Verbinden ist bei Stahl- und Metallelementen wiederum herausfordernder als bei Holz.

Die wichtigsten Fragestellungen

Ob der Selbstbau einem Teil- oder Fertigkauf eines Bettes vorzuziehen ist, ist eine situative Entscheidung. Sie basiert einerseits auf den eigenen Prioritäten (beispielsweise, wie schnell das Bett fertig sein soll), andererseits auf der persönlichen handwerklichen Kompetenz. Ist der Zugang zum Rohmaterial, den Werkzeugen, Hilfsmitteln und Räumlichkeiten (zum Beispiel für den Holzzuschnitt oder die Schweißarbeit) gegeben, so bleibt noch die Frage nach der verfügbaren Zeit. Ohne bereits vorliegende Möglichkeiten in dieser Hinsicht gestaltet sich der organisatorische Aufwand als zeitlich – und langfristig auch finanziell – unverhältnismäßig hoch. Eine weitere Frage ist auch die nach den eigenen Wünschen: Wenn es eher darum geht, ein persönliches Herzensprojekt zu verwirklichen, steckt in der Regel weniger Zeitdruck dahinter, als wenn dringend ein Schlafplatz benötigt wird.
Alleine nach Effizienz betrachtet ist es empfehlenswerter, ein Teil- oder Fertigbett zu erwerben und lediglich die Feinheiten anzupassen; also beispielsweise mit dem gewünschten Schliff zu versehen oder etwas hinzuzufügen, anstatt jedes Bauteil separat über Umwege anzuschaffen. Einer der wohl größten Nachteile beim Selbstbau ist die Beschaffung von Ersatzteilen. Dennoch kann, wenn es um die Verwirklichung eines Hobbys geht, die Beschäftigung durchaus Erfolg bringen, wenn man bereit ist, einige Einbußen hinzunehmen und Kompromisse einzugehen.

Über Kai 34 Artikel
Der "Heimwerker" Kai W. ist auf diesem Projekt der verantwortlicher Redakteur. Mit vielen Jahren Erfahrung in mehreren handwerklichen Bereichen (Feinmechanik, Metallverarbeitung/Fensterbau, Möbel- und Küchenmontage, sowie hausmeisterliche Tätigkeiten) kennt er sich bestens mit verschiedenen Gerätschaften und Arbeitstechniken aus. Bereits seit 2015 betreibt er diverse Projekte zu den Themen Schädlinge, Wohnen & Bauen, Immobilien, Heimwerken und Garten